Ein Stufen- oder Reifegradmodell?

Erkenne dich selbst!

Mein geplantes Buch heisst: Gnothi Seauthon 2.0
Gnothi Seauthon: Griechisch; „Erkenne dich selbst“ – ein schon sehr alter Spruch.
Gnothi Seauthon 2.0: Was könnte dies für uns heute, in der Welt des Internet bedeuten?

Ich kann mit dieser Aufforderung sehr unterschiedlich umgehen:

Stufe-1:
Ich bin jemand, der davon nie gehört hat.
Ich bin jemand, der zwar davon gehört hat, dem dieses Thema aber „am Arsch vorbei geht“
und der deshalb keine weitere Minute in dieses Thema investiert.

Stufe-2:
Ich bin jemand, der davon nie gehört hat.
Der aber im Rahmen seines Lebens Feedback anderer über sich selbst erhält und sich dann möglicherweise fragt: „So bin ich (auch)“?   oder denkt: „Quatsch – die können mich mal“. Der also auf Aspekte seiner selbst von anderen aufmerksam gemacht wird, es aber nicht für sich als Lernchance akzeptiert.

Stufe-3:
Ich habe davon gehört.
Und ich habe angefangen (oder bin dabei), auf mich selbst aufmerksamer zu werden.
Ich achte auf meine work-life-balance, schaue also, dass mein Berufs- und mein Privatleben in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.
Was ich hier mache, findet noch vorwiegend auf analytische, intellektuelle Art, auf der Verstandes-ebene statt.

Stufe-4:
= Stufe-3 und zusätzlich:
Ich nehme mein Leben in die eigenen Hände, frage mich: „Was ist mir wirklich wichtig?“ und beginne, mein Leben ganzheitlich zu sehen und Prioritäten zu setzen.
Ich bin jetzt gewohnt, ausgehend von der (trivialen) Feststellung, nur ein Leben zu haben, darauf zu achten, dass mein Leben auch so verläuft, wie ich mir das selber vorstelle und wünsche.
Ich beginne, mir Ziele zu setzen. Ich bin mir jetzt bewusst, was mir selbst WICHTIG ist und mache diese Erkenntnis zum Leitprinzip meiner Zukunft.
Ich mache mir meine Werte und  (alten) Glaubenssätze bewusst und stelle sie auf den Prüfstand: Taugen sie noch oder muss ich sie loswerden oder ggf. auch durch neue ersetzen?
In dieser Stufe arbeite ich auch an meinen eigenen Emotionen, d.h. ich mache diese ebenfalls zum Gegenstand meiner rationalen Betrachtungen und zum Teil auch schmerzhaften Erfahrungen.

Stufe-5:
= Stufe-4 und zusätzlich:
Ich bin mir bewusst, was es für mich bedeutet, glücklich zu sein.
Ich kenne meine „Stressoren“, also „das“, was mich in negativen Stress bringt und arbeite an einem Abbau oder auch besseren Umgang damit.
Und ich bin in der Lage, mir auszumalen, was Glück für mich in 20, 40, 60,80 Jahren bedeutet.
Und aus diesen Vorstellungen leite ich konkrete Ziele ab, die ich erreichen muss, damit ich meine Glücks-Vorstellungen auch erreiche.
Und mir gelingt es zunehmend besser, meine diesbezüglichen Vorstellungen auch zu verwirklichen.
Um mit Prof. Reiss zu sprechen: Ich habe eine Phase in meinem Leben erreicht, in der ich mein „Wohlfühl-Glück“ fast komplett durch ein „Werte-basiertes Glück“ ersetzt habe.

 
Intermezzo:

Das, was ich bisher beschrieben habe, möchte ich
„Die verschiedenen Stadien von Selbstführung“ nennen.

Um mit Jens Corssen [„Der Selbstentwickler“] zu sprechen:
Die bisher beschriebenen Stufen handeln von „Selbst-Verantwortung, Selbst-Bewusstheit, Selbst-Vertrauen und Selbst-Überwindung“.

Selbst-Verantwortung:
Ich nehme mein Leben in meine eigenen Hände.

Selbst-Bewusstheit:
Ich mache mich selbst zum Gegenstand meiner Aufmerksamkeit.

Selbst-Vertrauen:  
Ich kenne mich und kann mir vertrauen, ich kann mich auf mich selbst verlassen.

Selbst-Überwindung:
Ich höre damit auf, (psychische/psychosomatische) Schmerzen vermeiden zu wollen
oder mit anderen Worten: Für mich hat das Wort „Komfortzone“ zunehmend weniger Bedeutung.
Rückblickend auf mein Arbeitsleben im Großkonzern möchte ich sagen:
Wer andere führen will, sollte sich erst einmal selber führen können.

Also: Umbau der existierenden Führungskräfte-Entwicklungsprogramme?
Ich plädiere unbedingt dafür: Einstieg in die Führungslaufbahn ist der Nachweis, erfolgreicher Selbst-Entwickler zu sein.
Das wäre doch mal was.

Ist damit nun „Gnothi seauton“ abgeschlossen?
Bis hierhin und nicht weiter?
Schluss mit Selbstentwicklung?
Aber nein!

Selbstentwicklung ist nie zuende.

Was jetzt folgen kann, auf Basis des Bisherigen, ist das, was bereits seit sehr langen Zeiten verstanden wird, wenn es heißt: „Werde, der du bist“.

Werde, der du bist.

Davon mehr in den nächsten Postings.

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