(Wann) sind Sie authentisch?

Kennen Sie diese oder ähnliche Situationen?

Nehmen wir an, ich sei ein Trainer und moderiere gerade einen Workshop mit mehreren Teilnehmern.

Wenn ich dies tue, gerate ich immer wieder in Phasen totaler Präsenz, in denen ich mir der aktuellen Situation völlig bewusst bin.
Völlig bewusst, was gerade passiert, die Kommunikation „fließt“, und meine professionellen Beiträge und die der anderen kommen wie gewünscht.
Ich fühle mich wie in einem Flow-Zustand.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, möchte ich behaupten:
In einem solchen Moment BIN ich mehr als „nur“ in meiner professionellen Moderatorenrolle.
Hier stehen mir Ressourcen zur Verfügung, die der Summe all meiner im Lauf der Zeit,
in meinen unterschiedlichsten Rollen erworbenen Kompetenzen entspricht.

Vielleicht könnte man dies als eine Schnittmenge derjenigen Teile meiner Rollen ansehen,
die mir meine Authentizität verleihen, meine individuelle Identität bilden, meinen Kern, mein Selbst.

Beim Flow handelt es sich um Zeiten, in denen du nicht eine Rolle spielst im Sinne von:
Ich bin mir jetzt bewusst, dass ich die Moderatorenrolle spiele.
Jetzt gibt es kein beobachtendes Bewusstsein, kein „Ich“, das „mich“ in meiner Moderatorenrolle beobachtet.
Keine Trennung von Subjekt und Objekt.

Wenn Sie schon mal Ähnliches erlebt haben, kennen Sie sicherlich auch das traurige, ein bisschen depressive Gefühl, wenn dieser Flow vorbei ist?
Ich denke, eine Reihe von Künstlern und Sportlern kennen dieses Gefühl ebenfalls sehr gut.
Mir geht es so, weil ich gezwungen bin, aus meinem Selbst heraus wieder in eine meiner täglichen Rollen zu schlüpfen, mit anderen Worten: In eins meiner Egos.

In einen Flow-Zustand zu geraten, ist nicht einfach dadurch getan, dass man permanent völlig aufmerksam ist.
Nach meiner Meinung gelingt dies nur aus Rollen/Egos heraus, in denen wir uns total wohl fühlen:
Die zugehörigen Aktivitäten faszinieren uns, die zugehörigen sozialen Kontakte funktionieren sehr gut;
Es herrscht Vertrauen, Empathie, gegenseitige Wertschätzung etc.

Je mehr wir also eine Rolle mit all ihren Zielen, Funktionen, Aktivitäten etc. mögen,
desto tiefer ist unsere mentale und emotionale Bindung an das zu dieser Rolle gehörige Ego.
Und – interessant genug – desto leichter können wir in Flow geraten, desto näher sind wir unserem wahren Selbst,
desto authentischer sind wir und desto stabiler ist unsere Identität.

Und, nebenbei: Das ist etwas komplett anderes, als in der Komfortzone zu leben:
In einem Flow-Zustand zu sein und sich in seiner Komfortzone zu befinden, schliessen sich gegenseitig aus.
Wenn wir uns in unserer Komfortzone befinden, sind wir normalerweise nicht dauerhaft präsent.
Wir mögen uns wohl oder sogar glücklich fühlen, aber der herausfordernde „Kick“ fehlt, dieser spezielle „Kick“, der uns „voll präsent“ macht, mental und emotional.
Und der Anlass dazu gibt, höchstwertige Qualität abzuliefern.

Stimmen Sie zu?

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