Ich weiß nicht was ich will

Was rät man einem Menschen, der dies von sich sagt?

Und nicht etwa mit provokativem Unterton, nein: ganz ehrlich und glaubhaft.
Und mit dem aufrichtigen Wunsch, diesen Zustand zu verändern.

Ja. Eine der berühmten Standardantworten lautet:
„Wenn du nicht weißt, wohin du willst, ist jeder Weg ein richtiger.“

Natürlich kann ich mich selbstverantwortlich und sehr wohl bewusst dafür entscheiden, genauso zu leben: Ich ziehe es vor, immer andere Wege auszuprobieren, mich überraschen zu lassen, auch mal böse, wenn’s denn halt passiert; ich kann meinem Herzen voll und ganz vertrauen, mir immer den richtigen Weg zu weisen. Und ich nehme es als ganz natürlich an, dass manch steiniger Weg dabei sein wird.

Nun kann ich auch genau so leben, ohne mich dazu bewusst entschieden zu haben.

Dabei mag es manch einem Menschen passieren, dass er die Überzeugung gewinnt, nur auf steinigen Pfaden zu wandeln. „Das Leben meint es nicht gut mit mir“, „Das Leben ist ungerecht zu mir“, „Ich glaube, das Leben rauscht irgendwie an mir vorbei“  oder Ähnliches bekommt man dann zu hören.
Einige resignieren, enttäuscht und unzufrieden; Andere meinen, „es muss sich jetzt was ändern.“ Und wissen doch nicht recht, was. Sie hoffen dann vielmehr, dass schon jemand kommen wird, der’s für sie richtet.
Ja. Ich komme. Und ich sage: „Nein. Nicht etwas muss sich ändern. DU musst dich ändern!
Du musst einen andere Haltung zu deinem Leben annehmen, das Leben zu DEINEM Leben machen.“

„Und wie, bitteschön, mache ich das, du Klugscheisser?“

Ich: „Du könntest dir zum Beispiel die Frage stellen: Wie wünsche ich mir, soll mein Leben in fünf oder in zehn Jahren aussehen? Was müsste alles sein, dass ich mich dann sehr wohlfühle? Und mal dir das in den buntesten Farben aus; spinn rum, phantasiere, mal dir dein Leben in 10 Jahren, zeichne ein buntes Bild dazu. Vor allem aber: Nimm dir Zeit dafür. Und tue so, als wäre ALLES möglich, als hättest du alle Möglichkeiten der Welt, dir ein solches Leben zu bereiten.“

„Das ist doch völlig unrealistisch. Du weißt doch genau, dass eben NICHT alles möglich ist!“

Ich: „ich habe dich nur gebeten, so zu tun, als ob. Das hat nämlich den Vorteil, dass du nicht von vornherein schon Möglichkeiten ausschließt und dich in deinem Denken viel zu früh einschränkst.“

„Aber wie stellst du dir das vor? Wie soll ich denn anfangen?“

Ich: „Du könntest z.B. so beginnen, dass du dir die Frage stellst, wie du in 10 Jahren leben möchtest: Lebst du alleine, in einer Beziehung, hast du dann Kinder, lebst du zur Miete oder in einem Wohnmobil, hast du dann ein eigenes Haus, willst du ab dann in jedem weiteren Jahr eine große Reise machen, hast du ein Auto, ein Motorrad, vielleicht sogar eine Segeljacht, willst du nah bei deinen Eltern sein, weil du dich um sie kümmern möchtest oder musst, willst du ab dann Tennis spielen oder Golf, usw. usf.

„Puhhhh, das isne Menge Holz, was du da aufzählst.“

Ich: „Aber du kannst diese Fragen ja so beantworten, dass du schon heute sagen kannst: Ja. Wenn mein Leben in 10 Jahren so aussieht, dann, denke ich, bin ich sehr zufrieden und fühle mich rundrum wohl. Dann könntest du sagen: Ja. So WILL ich in 10 Jahren leben.
Und stelle dir so viele Fragen wie möglich. Je genauer, je detaillierter du dir Frage nach deinem Leben in 10 Jahren beantworten kannst, je präziser dein Bild von deinem künftigen Leben in deinem Kopf verankert ist, je besser du FÜHLEN kannst, wie zufrieden du dann bist, oder sogar glücklich: Umso besser.“

„Und? Das ist dann in 10 Jahren. Aber das ergibt sich doch nicht einfach so? Und was ist heute? Das ist doch alles nur Zukunftsmusik.“

Ich: „Heute tust du nichts anderes, als deine Antworten zu Papier zu bringen. Schreibe auf, wie dein Leben in 10 Jahren aussieht. Schreibe, zeichne. Am besten malst du ein großes Bild, in das du auch reinschreiben kannst. Schau dir eine Woche lang dein Bild jeden Tag an. Streich Dinge wieder weg, ergänze dein Bild, „mach es rund“. Mache es so lange rund, bis du sagen kannst: Jetzt stimmt‘s. Genau soll es sein. Und wenn DU sagst, du bist fertig, dann schick‘ mir dein Bild.“