Von unseren Egos zu unserem Selbst (V)

Die Türen auf dem Weg aus unseren Containern heraus.

„So there are two ways you can live: you can devote your life to staying in your comfort zone, or you can work on your freedom. In other words, you can devote your whole life to the process of making sure everything fits within your limited model, or you can devote your life to freeing yourself from the limits of your model…

…Because you are unable to go outside your comfort zone, you are, in essence, locked in confinement. If you examine this, you will see that you are willing to stay in this cage because you’re afraid. Your comfort zone is familiar to you; beyond it is the Unknown…

…When something shakes your model to the core…You beg, fight and struggle to try to keep your world from collapsing. What you experience when that happens is one of the most important learning experiences of your life. You come face to face with what made you build the model. The level of discomfort and disorientation you experience is frightening.”

Ich vermute mal, dass die meisten meiner Leser der englischen Sprache mächtig sind.
Das Zitat stammt aus:

Michael A. Singer; the untethered soul, a journey beyond yourself.

Das Buch ist inzwischen auch in Deutsch erschienen.

Singer beschreibt in sehr einfacher, klarer Sprache den Weg zu sich selbst, der nur durch das Einreißen der Mauern unseres Käfigs „Komfortzone“ möglich ist. Und er macht in unmissverständlicher Weise klar, dass dieses Einreißen an den Grundfesten unserer Psyche rüttelt und mit großen Ängsten, Irritationen und Unsicherheit verbunden ist.
In der spirituellen und okkulten Literatur wird oft auch von „Durchquerung des Abyss“ oder „Der Seele dunkler Nacht“ gesprochen. Ich werde auch darauf noch zurückkommen.

In dem letzten Kapitel seines Buches „Part 5: Living the Life“ nennt er Strategien, die Mauern einzureißen und an sein Selbst zu kommen:

Die erste Strategie lautet:    Der Pfad unbedingten Glücks.

Er bedeutet, so willensstark zu werden und zu bleiben, dass man auf die Frage „Willst du glücklich leben?“ antworten kann: „Ja. Unbedingt.“

Und zwar „unbedingt“ im seinem wahrsten Sinn, und nicht geknüpft an Bedingungen wie „Ja, aber meine Rente brauch ich schon dafür“ oder „aber nur mit meinem Partner zusammen“ oder „klar, wenn die Aktienkurse so bleiben“ etc.

Sie merken schon, was – wenn man diesen Satz wirklich ernst nimmt – an persönlicher Veränderung dahintersteckt. Unbedingt heißt ohne Wenn, ohne Aber, egal, was passiert.
Allerdings nennt Singer diesen Pfad auch den höchsten spirituellen Pfad.

Eine weitere Strategie lautet: Der spirituelle Pfad des Nicht-Widerstands.

Der Weg, ein Leben ohne Stress, Probleme, Angst oder Melodrama zu leben.

Singer schreibt, Stress entsteht immer dann, wenn man den Ereignissen des Lebens widersteht. Im Zustand des Nicht-Widerstehens vermeidet man, eine persönliche Beziehung zu den Ereignissen des Lebens herzustellen: Man läßt sie sozusagen wie einen Strom durch sein Bewusstsein strömen und ist ausschliesslich in der Rolle eines Beobachters oder Zeugen. Man bleibt „unberührt“.

Was ist es, was uns widerstehen läßt? Wie üben wir Widerstand aus?
Es ist die Kraft unseres Selbst, es ist unsere Willenskraft.

„Sie sind ja vielleicht ein Schwachkopf“ sagt jemand zu mir.
Ich höre das und das, was ich höre, berührt mich psychisch. Es passt überhaupt nicht zu meinem Selbstbild. Ich nutze jetzt meine Willenskraft oder Energie, das Gehörte nicht an mich zu lassen. Ich setze dem Widerstand entgegen.

Ich verschwende meine Energie an etwas, was bereits vergangen ist.
Und wie viel psychischer Energie wird darauf verschwendet, DEM entgegenzuwirken, was eventuell in der Zukunft auf uns zukommen könnte.

Ich denke gerade an den Ausdruck „German Angst“ und überlege, ob ein ganzes Volk  auf diese Art und Weise psychischen Widerstand gegen eine unbestimmte Zukunft leistet und sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst blockiert?

Ich wende einen Großteil meiner Energie dafür auf, mir zukünftige Horrorszenarien vorzustellen und auszumalen?
Wir sollte all unsere psychische Energie für das Jetzt, den Moment investieren.

Eckhart Tolle nennt das „The Power of Now“.

Wenn wir Stress Wirklich verstehen wollen, müssen wir uns mit UNSEREN Vorstellungen  beschäftigen, die wir darüber haben, wie denn die Dinge sein sollten. Es sind diese unsere Vorstellungen, die unsere Willenskraft dazu bringen, dem zu widerstehen, was bereits passiert ist. Das erzeugt innere Spannung, Aufruhr, Kampf und Leiden.

Und in dem Maße, in dem wir Ereignisse des Lebens zu UNSEREN Ereignissen machen, nehme wir sie entweder freudig auf („clinging“) oder wir lehnen sie ab („resisting“). In Wahrheit ist dieser ganze Prozess aber sinnlos. Er zerstört nur unser Leben.

Ist doch eine bestechende Idee:

Es gibt nur Ereignisse.
Es gibt keine Probleme.

Probleme entstehen dann, wenn wir Ereignisse zu UNSEREN machen.
Und sie dann vor dem Hintergrund unserer Modelle anfangen, zu bewerten.

Beziehungen sind phantastisch, um über uns selbst zu lernen:

Anstatt unseren Partner so verbiegen zu wollen, dass er/sie in unser Modell passt [und hierfür unter Umständen sehr viel psychischer Energie zu verschwenden], ihn lieber akzeptieren, wie sie/er ist. Gemeinsame Spielregeln zu vereinbaren, ist natürlich trotzdem eine sehr sinnvolle Sache.

Dasselbe gilt im Übrigen für unsere tägliche Arbeit.

Hierzu ist ja auch von anderen sehr viel geschrieben worden, worauf ich zum Teil schon hingewiesen habe.
Was Singer hier schreibt, ist m.E. am ehesten vergleichbar mit dem Flow-Gedanken des Psychologen Mihalyi Csikszentmihaly:
„If you want to be content and enjoy your work, you have to let go of yourself and let events flow through you“;
Mit anderen Worten: Sei ganz bei der Sache, ganz bei deiner Arbeit und lasse alles andere durch dich hindurch fließen.
Sie haben Angst vor Hunden. Andere nicht.
Sie leiden schon ihr Leben lang damit. Andere nicht.
jetzt entschließen Sie sich, mit Ihrer Angst zu arbeiten.
Und sich ganz bewusst zu entspannen.
„Work with resistance by relaxing“.

Eine dritte Strategie: Nachdenken über den Tod.

„Wenn jeder Atemzug der letzte sein kann, möchte ich mein Leben auf die bestmögliche Art verbringen. Ich höre auf, die Menschen zu ärgern, die ich liebe. Ich werde ab jetzt mein Leben aus dem tieften Teil meines Seins leben.“
So sinngemäß Michael A. Singer.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten noch eine Woche zu leben?
Was würden Sie tun?
Was würde sich für Sie verändern?
Was würden Sie verändern?

„Was machst du mit deinem Leben?“
Das ist, was der Tod dich fragt.

Und wenn er sagt, er holt dich morgen, wie reagierst du?

Versuchst du, noch eine Woche rauszuschlagen?
Um noch alles Wichtige zu erledigen?

Er wird dir sagen:
„Wofür brauchst du diese Woche noch?
Du hattest doch allein in diesem Jahr bereits 50 Wochen?
Was hast du denn da gemacht?
Nichts Wichtiges?“

Wenn du noch eine Woche hättest, dann kommen deine unerfüllten Wünsche hoch und du sagst dir. Das sollte ich wohl schnell noch machen. Und du wirst finden: Das ist nicht die Lösung. Es ist dein Versuch, noch bestimmte Erfahrungen zu machen.

Leben ist nichts, was du bekommst. Du kannst das Leben erfahren. Das Leben „passiert“, egal ob du da bist oder nicht, und das seit Millionen von Jahren.

Tja. Die bittere Erkenntnis:
Wir haben das Leben nicht erfahren.

Der Tod macht das Leben so wertvoll.
Wenn wir hier ewig leben würden, würden wir jede Sekunde (weiter) verschenken.
Die meisten Menschen glauben, der Tod nehme ihnen etwas weg.
Der weise Mensch stellt fest, dass der Tod ihm ständig etwas schenkt.
Der Tod schenkt seinem Leben Bedeutung.
Und deshalb ist der weise Mensch jederzeit bereit, zu sterben.

Der Tod bringt dich dazu, auf den Moment zu achten.

Erfahre das Leben vollständig.

Aber denk‘ dran: Es ist nicht DEIN Leben.
Du solltest das Leben erfahren, das dir „passiert“ und nicht das Leben, das deiner Meinung sein sollte.
Verschwende keine Sekunde deines Lebens damit zu versuchen, andere Dinge geschehen zu machen: Genieße jeden Moment, der dir bleibt.

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Von unseren Egos zu unserem Selbst (IV)

Die Türen auf dem Weg aus unseren Containern heraus.

Auch die Management-Literatur wird mehr und mehr bereichert um Bücher, die sich in unterschiedlicher Weise „mit uns selbst“ beschäftigen.

Beispielhaft möchte ich hier nennen:

– Jens Corssen, Der Selbstentwickler
– Petra Bock, Mindfuck
– Anja Förster und Peter Kreuz, Hört auf zu arbeiten

Petra Bock geht ebenfalls auf das Thema Glaubenssätze ein uns spricht von „ganzen Parallelwelten“ in unseren Köpfen. Sie schreibt:
„Es bringt leider nichts, wenn wir an einzelnen Glaubenssätzen herumbasteln und hoffen, die Sache sei dann geklärt. Hinter einzelnen sabotierenden Gedanken konnte ich durch jahrelange Beobachtung eine ganze Welt zusammenhängender Überzeugungsmuster entdecken, die einer eigenen Logik folgen und immer wieder neue störende Gedanken und Überzeugungen hervorbringen. Diese destruktiven oder aufpeitschenden Gedanken, die wir in diesem Modus produzieren, bilden eine Struktur in unserem Denken, ein Muster, das immer wiederkehrende Denkmuster produziert und wiederholt. Wie wir in Kapitel 2 sehen werden, geht es um eine Parallelwelt in unserem Kopf mit ganzen Glaubenssystemen und einer eigenen inneren Sprache, mit einer eigenen Logik und eigenen Formulierungen. Diese Parallelwelt zeigt, was wir in einem vor-bewussten Zustand über uns, die Welt und das Leben wirklich denken. Leider steuern wir uns mit diesem System mehr, als uns lieb sein kann. Selbst, wenn wir uns eine Zeitlang für ein anderes Leben oder neue Ziele motivieren, können wir beobachten, wie schwer eine nachhaltige Veränderung zum Besseren ist. Der Grund dafür ist, dass wir immer wieder von dieser Parallelwelt eingeholt werden, wenn wir sie nicht erkennen und wie einen fehlgerichteten inneren Kompass neu ausrichten.“

 

Petra Bock beschreibt in ihrem Buch weiter über ihre Erkenntnisse aus zahlreichen Coaching-sitzungen: Wir gehen über unsere „Wohlfühlgrenze“ (Container, Komfortzone) nicht hinaus und schränken uns unbewusst immer wieder ein, sorgen dafür, dass es uns nie zu gut geht.
Und wir immer hinter unseren eigenen Möglichkeiten zurückbleiben. Viele ihrer Klienten sagten, wenn sie ihren sabotierenden Gedanken nicht folgen und in ihre Wohlfühlzone zurückkehren würden, verspürten sie Kontroll- und / oder Sicherheitsverlust. Und je länger sie als Coachin „am Thema blieb“, desto mehr Stress empfänden ihre Klienten.

Bei der weiteren Analyse fand Petra Bock sieben Arten, sich selbst zu sabotieren, sieben “Mindfuck-Arten“, die ich – einem anderen Autor folgend –  für mich in „Parasiten“ umgetauft habe.

Diese sind:

Die 7 Parasiten in unseren Köpfen [nach Petra Bock; „Mindfuck“]

1. Der Katastrophen-Parasit
Sich selbst Angst machen.

2. Der Selbstverleugnungs-Parasit:
Die Lebensinteressen anderer über die eigenen stellen, es allen Recht machen wollen.

3. Der Druckmacher-Parasit:
sich und andere unter Druck setzen.

4. Der Bewertungs-Parasit:
Sich und andere bewerten. Dazu gehören Perfektionismus, Besserwisserei und notorisches Jammern.

5. Der Regel-Parasit:
sich an rigide, willkürliche oder überholte Regeln halten.

6. Misstrauens-Parasit:
Sich selbst und anderen chronisch misstrauen.

7. Übermotivations-Parasit:
verdrängen, sich extrem euphorisieren und notorisch motivieren.

Ich überlasse es meinen Lesern, ggfs. unter Zuhilfenahme weiterer Erkenntnisse von Petra Bock, ein eigenes Schädlingsbekämpfungs-Programm aus dem bisherigen zusammen zu stellen.
Sich eventuell auch einen „Wegbegleiter“ zu suchen.

Ich mache inzwischen damit weiter, das Thema „Hin zu unserem Selbst“ aus weiteren Perspektiven zu beleuchten.
Es würde mich sehr freuen, wenn Sie weiterhin dabei blieben….ja….auf dieser, zumindest für mich, sehr spannenden Reise in mein Unbekanntes.

 

 

Von unseren Egos zu unserem Selbst (III)

Die Türen auf dem Weg aus unseren Containern heraus.

Ich bleibe noch bei Rolf Arnold…
Die Tür der Leidenschaftslosigkeit
„Leidenschaftslosigkeit bedeutet nun, dass man lernt, das Gegenüber nicht länger als Mitspieler im eigenen Urdrama zu missbrauchen, und Techniken entwickelt, die aufkeimende „Leidenschaft“, welche sich uns als tobendes, sich selbst entfachendes Gefühl präsentiert, nüchtern als Ausdruck eines bekannten Programms zu sehen und zu entdramatisieren….
Man braucht viel Selbstdisziplin und auch Mut, um solche Leidenschaften für sich selbst und ohne die Reibung mit den gerade zufällig vorhandenen Kommunikationspartnern als das zu sehen, was sie sind: „absurde, geistige Gewohnheiten“, die wir in uns tragen, weil sie dereinst wohl einmal funktional gewesen sind, und die wir immer und immer wieder abrufen, da wir bislang nur über sie und keine anderen Wege verfügen, um unser Identitätsgefühl – die Summe unserer vergangenen Erfahrungen – immer und immer wieder neu zu spüren.“
Ich hab’s für mich mal so formuliert:
– Sie geraten in Stress
– Ihr Drama spitzt sich zu
– Sie halten einen Moment inne [den „Viktor-Frankl-Moment“]
– Sie erkennen, dass Sie dabei sind, in Ihre alten Verhaltensmuster zu fallen
– Darüber müssen Sie jetzt mindestens lächeln
– Sie „fahren wieder runter“, Ihr Stress baut sich ab
– und Ihr Drama löst sich in Luft auf.

 

Die Neugiertür
„Die Neugiertür ist die Tür zur Lebendigkeit, d.h. zur offenen Zugewandtheit gegenüber Wandel und Einmaligkeit. Bevor wir jedoch in der Lage sind, Neugier zu erleben, müssen wir (wieder) lernen, auf uns selbst neugierig zu werden. Dies fällt erwachsenen Menschen zunehmend schwerer, da „Erwachsensein“ sich ja geradezu als ein „Herausgewachsensein“ aus der Ungeklärtheit, Vorläufigkeit und Offenheit des Lebensentwurfes definiert.
Wer erwachsen ist – so die herkömmliche Sicht – hat „etwas erreicht“, auf das er blicken kann….Die Festgelegtheiten des Erwachsenenalters sind in stärkerem Maße (als in der Jugend) selbst gewählt. Und es scheint diese Selbstgewähltheit zu sein, die ihnen auch eine Zähigkeit verleiht. „Erwachsensein“ als ein selbst gewähltes „Festgelegtsein“ verengt aber auch den Fokus…Wenn Menschen sich zunehmend weniger auf die Kontinuität des einmal des einmal gewählten Berufes, die Dauerhaftigkeit ihrer Familienbeziehungen oder ihrer regionalen Einwurzelungen sowie milieubezogene Selbstbeschreibungen verlassen können, greifen sie zu anderen biographischen Stabilisierungsmechanismen. Die verunsicherte – um nicht zu sagen, frei schwebende – Identität sucht ihren Referenzpunkt im Inneren, das Eigene ist die persönliche Eigenart, je mehr sich alles wandelt, desto fester kann jedoch der persönliche Rigorismus werden, und die Neugiertür verrammelt sich wie von selbst.
Es gilt, diese inneren Tendenzen zur biographischen Stabilisierung des Selbst in Zeiten exaltierender Wandlungen im Äußeren deutlicher in den Blick zu nehmen.
Nur indem wir das Risiko des Todes in unserem eigenen Denken und Handeln stets bewusst halten, können wir unserem Leben eine Substanz geben, die sich aus der Begrenztheit speist. Erst der begrenzte Zeithorizont zeigt uns, was relevant und wesentlich ist, und erst wenn sich die Neugier auch auf den eigenen Tod bezieht, können wir einen wirklichen Begriff von Lebendigkeit und menschlicher Tiefe entwickeln.“

Soweit wieder Rolf Arnold.

Ich halte diese Passage aus folgendem Grund für sehr entscheidend:

In meiner ehemaligen Company gab es einen längeren Zeitraum, in dem alle fast täglich mit neuen Weisheiten über „Change“ und die Notwendigkeit von „Changemanagement“ überschüttet wurden. Im Grunde genommen nahm man [also „das Management“] an, die Mitarbeiter seien bereits alle auf der Stufe, die Arnold hier fordert. „Ambiguity Tolerance“ wurde verlangt und alle taten so, als seien die Veränderungen (hin zu einer „Versicherungsfabrik“) etwas, das allein durch intellektuelle Arbeit bewältigt werden könne.
Und für die wenigen Fälle, die „persönliche Probleme“ mit den Veränderungen hatten, richtete man einen „Care Point“ ein, im Grunde eine gute Sache, jedoch wieder das übliche „Reparaturverhalten“.

 

Die Tür der Menschlichkeit
„öffnet sich durch Selbsteinsicht. Indem wir erkennen, nach welchen einfachen Mechanismen wir uns in unserer Containerwelt einrichten und so denken und handeln, wie es uns diese erlaubt, sehen wir auch, dass andere es ebenso anders machen. Auch sie sehen ihre Welt so, wie sie sie sehen, und auch sie neigen in ihren Grundstrukturen oft mehr zur inneren Versteifung als zur grundlegenden Infragestellung und Veränderung. Indem wir diese formalen Gemeinsamkeiten als das sehen, was sie sind, – nämlich die Muster und Bauelemente unseres Selbst – lernen wir auch, stärker auf diese Verwandtschaft im Formalen zu achten, und die Frage nach der Übereinstimmung im Inhaltlichen tritt zurück…Wer „bewertet“, ist seinem Eigenen noch zu stark verhaftet; er mag zwar vorgeben, den anderen zu verstehen, aber er hält die Erschütterung des eigenen Weltbildes, die von dem Anderssein des Gegenübers ausgeht, (noch) nicht aus. Bewerter hängen deshalb noch immer in ihrem Container fest, und ihr Weg durch die Angst zur Menschlichkeit ist noch nicht abgeschlossen.
Aufstoßen können wir diese Tür, wenn es uns gelingt, mehr und mehr dem Leitsatz zu folgen: „So wie ich selbst bist auch du mir vertraut in deiner anderen Besonderheit.“ Die Tür zur Menschlichkeit ist ganz aufgestoßen, wenn wir in der Lage sind, aus einer anderen Substanz heraus mit dem Gegenüber in Beziehung zu treten und es selbst dabei nicht mehr nötig haben, Recht zu bekommen.“

Was Arnold hier schreibt, ist wieder einmal eine sehr gute Darstellung dessen, warum wir in unseren Kommunikationen das Wort „aber“ durch das Wort „und“ ersetzen sollten. „Aber“ differenziert wieder inhaltlich, verteidigt den eigenen Container, schottet ab. „Und“ ist öffnend, verbindend, synthetisierend: „Ich habe Recht und du hast ebenfalls Recht“, beide Sichtweisen sind legitim und stehen (zunächst) gleichberechtigt nebeneinander. Wenn wir beide unsere Container bereit sind zu verlassen, eröffnen sich Möglichkeiten für wirklich Neues.

 

Die Tür zur Liebe
„Liebe ist keine romantische Kategorie. Dieser Begriff kennzeichnet vielmehr einen Zustand des bezogenen Lebens, der frei ist von Gefühlen der Bedürftigkeit und Abhängigkeit. Wie Erich Fromm zeigt, liegt der echten Liebe eine grundsätzliche Einstellung zu Lebendigen und mithin auch zur eigenen Lebendigkeit zugrunde. Man muss  sich selbst wichtig sein, damit einem auch die anderen wichtig werden können, und man muss aus seinem eigenen Selbst heraus leben, damit man andere um ihrer selbst willen sehen und wertschätzen kann – so die dialektische Grundspannung der Liebe. Die Liebe setzt somit eine Bewegung zu sich selbst voraus: Nur indem ich ganz bei mir bin und den anderen „nicht brauche“, kann ich ganz bei ihm sein und seiner Liebe begegnen. Liebe schließt Bedürftigkeit und Vorwurf aus.

Die wesentlichen Pfeiler dieser allem Lebendigen zugewandten Haltung sind Autonomie, Achtsamkeit sowie biographisches Bewusstsein.

Wer autonom ist, hat ein ambulantes Verhältnis zu seinem Container:
Er wohnt in ihm, kann ihn aber auch verlassen oder umbauen.

Wer achtsam lebt, achtet auch auf sein Inneres und beobachtet die Mechanismen, mit denen sich dieses Innere das Äußere mit erschafft, spezifisch interpretiert oder gar anzieht.

Wer biographisch bewusst lebt, widmet seine Zeit mehr und mehr solchen Aktivitäten und Kontexten, die Zugewandtheit und inneres Wachstum zu stiften vermögen. Er bilanziert innerlich jede Stunde und jeden Tag vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung angesichts der eigenen Begrenztheit.“

 

Soweit also Professor Rolf Arnold aus „Ich lerne, also bin ich“, resp. dem darin enthaltenen Kapitel über das „Leben in Containern“ und unsere Möglichkeiten, aus unseren Containern auszubrechen, neue Handlungsoptionen kennenzulernen und unsere Container neu zu gestalten.

Interessant finde ich zum Abschluss dieses Artikels die Frage:

Container erkennen, ausbrechen und neu gestalten oder Container erkennen, ausbrechen und nie wieder in einen (alten oder neuen) zurückkehren?

 

 

Von unseren Egos zu unserem Selbst (II)

Wie können wir durch Zerstörung unserer Komfortzone an unser SELBST und eine uns völlig unbekannte Freiheit gelangen?

Nach einer ersten Betrachtung aus Sicht der Psychologie (C.G.Jungs) nun eine Betrachtung aus Sicht der Pädagogik.

Ich beziehe mich hierbei auf zwei Bücher meines ehemaligen Professors aus Kaiserslautern, Rolf Arnold:

„Ich lerne, also bin ich. Eine systemisch-konstruktivistische Didaktik“, 2007
und
„Seit wann haben Sie das? Grundlinien eines Emotionalen Konstruktivismus“, 2009.

Rolf Arnold benutzt anstelle des (etwas verwirrenden) Begriffs „Komfortzone“ den des „Containers“.
Wir alle leben in unseren Containern, in den „vertrauten Beengungen unserer Erfahrungen“.

„Das eigene Leben als Wiederholung – nur wenigen Menschen fällt dies auf, und noch wenigere vermögen daraus Konsequenzen für ihre eigene Lebensführung zu ziehen und aus sich selbst erfüllenden Prophezeiungen, welche oft vorgegebene Befürchtungen sind, wirklich auszusteigen. Denn die bei einem solchen Ausstieg zu ziehenden Konsequenzen sind unbequem: sie setzen einen Abschied vom Vertrauten voraus. „

Ich möchte zur weiteren Erläuterung noch den Begriff „Stress“ (in seiner negativen Ausprägung) mit ins Spiel bringen:

Ich befinde mich in einer Situation („Reiz“) und reagiere („Reaktion“)  darauf entweder

Stressfrei:
– Die Situation ist mir so gut bekannt, dass ich unbewusst richtig handle;
– Die Situation ist so, dass ich bewusst ein gelerntes Verhalten anwenden kann und „richtig“
handle;
– ich reagiere „kontrolliert“;
– ich habe mich „im Griff“
– bin emotionslos oder
– fühle mit wohl….bis sehr wohl.

Oder gestresst:
– Die Situation ist so, dass ich mich unwohl…bis hin zu panikartig fühle;
– ich reagiere „unkontrolliert“;
– ich habe mich nicht „im Griff“;
– ich reagiere emotional, „Schattengespeist“;
– ich muss (viel) Energie aufwenden, um mich zu beherrschen;
– es könnte sein, dass ich einen Wutanfall bekomme oder
– in Tränen ausbreche.

Kann ich stressfrei reagieren, befinde ich mich offenbar in meinem Container, in meiner Komfortzone: Hier fühle ich mich sicher, hier kann mir nichts geschehen. Hier möchte ich eigentlich immer sein. [„Ich möchte so bleiben, wie ich bin“…..“Du darfst“!!!]

Reagiere ich gestresst, befinde ich mich offenbar mehr oder weniger weit außerhalb meiner Komfortzone, meines Containers. Aus dieser Situation möchte ich schnell wieder hinaus, heim in sichere Gefilde. Weil ich unbewusst auf eine Art reagiere, die mir nicht gut tut, oder weil ich zwar bewusst reagiere, mich aber über die Art meiner Reaktion schäme, aber noch nicht über andere Handlungsoptionen verfüge.
Hier wird offenbar gegen meine Glaubenssätze gehandelt und das bringt mich in Stress, macht mich wütend oder auch traurig.

Und hier schließt sich wieder der Kreis: Es liegt einzig in meiner Hand und Verantwortung, die mich stressenden Situationen zu beobachten und mich zu entscheiden:

Möchte ich mich selbst dahingehend verändern, dass ich künftig in ähnlichen Situationen freier, d.h. ohne Stress agieren kann?

Aber:
„Selbstveränderung ist kein leichtes Unterfangen: „Warum soll ich mich selbst verändern?“ fragen sich viele, und auch die Frage „In welche Richtung soll ich mein Selbstbild und meine typischen Reaktionsweisen verändern und warum?“ zeigt, in welche Orientierungslosigkeit und das Projekt „Selbstveränderung“ zu bringen scheint.
Wir brauchen Entschlossenheit, uns neu zu erfinden. Indem wir die unser Verhalten prägenden Muster erkennen, begreifen wir, seit wann wir diese haben, und können uns fragen, ob wir sie hinter uns lassen wollen. Damit entstünden vielfältigere Möglichkeiten – für uns selbst und für die anderen, die uns erleben und denen wir uns zumuten, so, wie wir sind.“

Rolf Arnold zitiert Tara Bennett-Goleman, die wiederum fünf Gewohnheiten benennt, welche uns daran hindern, „unseren Blickwinkel zu erweitern und flexibel zu reagieren“. Um aus den durch diese Schemata eingeengten Denk- und Fühlweisen auszusteigen, brauchen wir eine „Aufklärung über Schemata“, damit wir ihre Funktionsweise (er)kennen und sie entsprechend reflexiv bei der eigenen Person in den Blick nehmen und bearbeiten können. Ziel ist es dabei, „sich selbst zu erkennen.  Schemata umfassend zu begreifen“ – so Bennett-Goleman – „ist ein erster Schritt, um uns aus diesen geistigen Gefängnissen zu befreien“.

NLP’ler sprechen hier von „Reframing“, einem „Umdeuten“.

Emotionale Schemata nach Bennett-Goleman:

Selektive Wahrnehmung
Dinge nur in einer Art und Weise sehen und alle Anhaltspunkte für das Gegenteil ignorieren.
Beispiel: Perfektionist mit guter Note grübelt über die eine kritische Bemerkung.

Übergeneralisierung
Ein einziges Erlebnis ist gleichbedeutend mit einem dauerhaften Muster.
Beispiel: „Mir wird nie etwas gelingen“.

Gedankenlesen
Sich an willkürliche Erklärungen klammern, als sei ihre Wahrheit erwiesen.
Beispiel: Verspätung des Freundes wird als sein Wunsch, die Freundin zu verlassen, gesehen.

Vorschnelle Schlussfolgerungen ziehen
Schlimmste Befürchtungen werden trotz fehlender Beweise als wahr angesehen.
Beispiel: Automatisch unterstellen: „Niemand will mit mir reden“.

Übertreibung
Kleinigkeiten zur Katastrophe hochspielen.
Beispiel: Kratzen im Hals wird als Hinweis auf lebensbedrohliche Situation gesehen.

„Der Abschied von „den absurden Gewohnheiten“, aus denen unsere Containerwelt aufgebaut ist, bringt uns aus dem inneren Gefängnis unserer pseudoautonomen Welt hinaus. Dabei führt uns der Weg durch mehrere Türen, die uns auch eine neue Substanz des Sich-in-der-Welt-Fühlens eröffnen.“

Soweit Rolf Arnold aus den beiden oben genannten Quellen.

Bleiben Sie dran…..

Von unsren Egos zu unserem Selbst – Schattenarbeit

Zunächst möchte ich mich diesem Thema noch von der Seite der Psychologie nähern:

In „Schattenarbeit – Interview mit Andrea Gauger“ [googeln] schreibt Andreas Gauger:

„Als Schatten bezeichnen wir all die Persönlichkeitsmerkmale, Charaktereigenschaften, Gefühle etc., die wir ins Unbewusste verdrängen und aus unserer Selbstwahrnehmung tilgen. Meist, weil wir früh erfahren haben, dass bestimmte Eigenschaften nicht erwünscht sind. Wir haben as vergangenen Situationen geschlussfolgert, dass wir auf eine bestimmte Art nicht sein können, wenn wir uns nicht von der Liebe und Zuneigung unserer frühen Bezugspersonen abschneiden wollen…..

Unser Schatten ist – mit anderen Worten – der Aspekt dieser unendlichen latenten Möglichkeiten, mit dem wir nichts zu tun haben und dessen potenzielle Existenz wir bei uns nicht gelten lassen wollen. Er hindert uns daran, wirklich frei zu sein.“

Und aus „Schattenarbeit“ von Achim Ecker ergänzt:

„Schatten ist stets das, was wir nicht mögen. Er ist derjenige Persönlichkeitsanteil, den ein Mensch vor sich und anderen zu verbergen sucht und der uns zur Ganzwerdung fehlt. Er ist ein Sammelbegriff für alle Ursachen, die zwar auf unser Handeln wirken, aber durch das Ich-Bewusstsein nicht wahrgenommen werden können. Bei vielen von uns löst die Tatsache, dass andere etwas in mir sehen, was ich nicht sehen kann, Scham aus….

Ein Schatten entsteht dann, wenn eine Eigenschaft, Vorliebe oder Verhaltensweise von mir bei meiner Umwelt auf Ablehnung stößt und wenn ich den Schmerz, den dieses auslöst, nicht ertragen kann. Im Schatten sind abgelehnte und abgespaltene Erfahrungen, abgewehrte Triebe, Fixierungen und Programmierungen, frühkindliche Prägungen und nicht gelebte Persönlichkeitsanteile. Auch viele unserer Qualitäten fristen ihr Dasein im Schatten. Ob positiv oder negativ hingeschaut – dein Schatten verbirgt deine größten Talente und Schätze….
Der Schatten beschreibt denjenigen Anteil unserer  Lebensenergie, der nicht mehr frei fließen kann. Blockierte Lebensenergie führt zu Angst und Gewalt. Als Folge davon entstehen sogenannte „Körperpanzerungen“ und blockieren als chronische Selbstschutzhaltung das freie Pulsieren von Energie und die natürliche körperlich-seelische Beweglichkeit und Ausdrucksfähigkeit…..Es kostet sehr viel Energie, die Schatten daran zu hindern, aus dem Untergrund wieder aufzutauchen.“

So viel von zwei „Followern“ von C.G.Jungs Psychologie.
Wichtig noch: „Jung sagt, dass alles Unbewusste projiziert wird. Was wir bei uns selbst nicht wahrnehmen können, fällt uns umso mehr bei anderen auf.“

Was fällt z.B. MIR bei anderen auf?

Mir fällt zum Beispiel „Unpünktlichkeit“ bei anderen als unangenehmes Verhalten auf.
Ich selbst bin immer (über-) pünktlich.
Unpünktlichkeit ist offenbar Teil meines Schattens, ein Verhalten, das ich bei mir nicht zulasse. Offenbar auch dann, wenn mich mein „In-jedem-Fall-pünktlich-sein-wollen“ mitunter in Stress bringt, z.B. weil ich hetzen muss.

Einer meiner Glaubenssätze heisst deshalb vermutlich: „Du musst IMMER pünktlich sein!

Während ich dies hier schreibe, ist mir mein Pünktlichkeitswahn bewusst geworden.

Und jetzt kann ich anfangen, mit dieser Erkenntnis bewusst zu „spielen“:
Ich kann zum Beispiel damit beginnen, Unpünktlichkeit als eine meiner Verhaltensoptionen zu zulassen. Und mir überlegen, WIE ich dies tue.
Ich könnte zum Beispiel eine Extremvariante wählen und bei meinen nächsten fünf Verabredungen „einfach unpünktlich“ sein. Damit werde ich mich aller Voraussicht nach (zumindest in unserer Kultur) ziemlich unbeliebt machen.

Ich könnte aber auch dazu übergehen, mit meiner Unpünktlichkeit anders umzugehen.
Zum Beispiel könnte ich für den Fall, dass ich abschätzen kann, unpünktlich zu sein, meinen Partner der Verabredung „einfach“ über meine Verspätung informieren.
Also lernen, mit der Gefahr des Unpünktlichseins einfach lockerer umzugehen.

Aufgabe:  Mit Unpünktlichkeit lockerer umgehen lernen.

Was fällt MIR noch bei anderen auf?

Ich mag es nicht, wenn andere Paare in meiner Gegenwart lauthals streiten.

Einer meiner Glaubenssätze lautet deshalb:
Persönliche Konflikte trägt man nicht in der Öffentlichkeit aus und schon garnicht laut.

Meine eigene Konfliktfähigkeit ist somit offenbar ebenfalls Teil meines Schattens:

Ich unterdrücke Konflikte, „halte den Deckel drauf“, selbst wenn es mich noch so viel Energie kostet.
Nun habe ich in meinem Berufsleben und insbesondere als Personalentwickler und Trainer eine Menge über Konfliktfähigkeit gelernt. Und natürlich bin ich auf eine bestimmte Art und Weise konfliktfähig. Trotzdem wirkt dieser Glaubenssatz noch immer, dann nämlich, wenn es um meine privaten Konflikte geht.

Hier bin ich mir (jetzt wirklich) bewusst, dass ich mir noch weitere, bisher unterdrückte Handlungsoptionen erarbeiten kann. Also kann ich für mich festhalten:

Aufgabe:  Mit privaten Konflikten besser umgehen lernen.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen beim Lesen geht:
Mich selbst fasziniert, was hier gerade abläuft: Ich therapiere mich durch mein Schreiben hier quasi ein Stück selbst.

Um das noch einmal in den größeren Zusammenhang zu stellen:
Ich finde durch Anwendung von „Schattenarbeit“ [Bitte: immer so, wie ICH sie verstanden habe] Schwachpunkte meines Verhaltens und/oder einen Teil meiner Glaubenssätze heraus und versetze mich in die Lage, meinen Umgang damit zu hinterfragen.
Und das so konkret, dass ich Veränderungsaufgaben für mich definieren kann.
Und merken Sie was?
Jajajaja. Jetzt kommt er wieder mit Projektmanagement.
Natürlich tue ich das.
Denn: Jetzt kann ich planen, wie ich diese Aufgabe erledigen will und vor allem auch, woran ich selber erkennen kann, dass ich sie erfolgreich bewältigt habe.

Einer geht noch?

Was fällt MIR noch bei anderen auf?

Ich mag es z.B. nicht, wenn Bekannte oder Freunde von mir in bestimmten Situationen ein Verhalten an den Tag legen, für das ICH mich schäme:
Beim Besuch eines Konzertes z.B. einem der Musiker lauthals etwas zubrüllen und glauben, dies sei witzig.

Einer meiner Glaubenssätze lautet deshalb: Das (gezeigte Verhalten) tut man nicht.

Was ist denn der „schattige Aspekt“ hierbei?
Meine Hypothese ist, dass ich mich öffentlich nicht so „benehmen“ kann, als sei ich alleine.
Auch dahinter steckt vermutlich mein Verhaltensgrundsatz, auf andere IMMER zu viel Rücksicht zu nehmen und eigene Verhaltenswünsche zu unterdrücken.

Aufgabe:  Prüfe jede Situation, in der du unter vielen Menschen bist, daraufhin, ob du zugunsten dieser Menschen auf eigenes, gewünschtes Verhalten verzichtest.

Bleiben Sie dran.

Kleine Zwischenbemerkung…

Der letzte Artikel endete ja mit

In dem einen Fall behalten wir die Kontrolle und bleiben letztlich unfrei – das Gefängnis ist nur gründlich renoviert.
In dem anderen Fall geben wir bewusst die Kontrolle ab und erringen eine Freiheit, die wir nie kennengelernt haben.

Ja. Ich weiß.

Wie geht das: bewusst die Kontrolle abzugeben?
Und wissen andere über diese Freiheit zu berichten?

Um diese Fragen geht’s als nächstes.

Ab hier verfüge ich (noch?) nicht über eigene Erfahrungen.

Da ich aber sehr neugierig bin, habe ich eine Menge zu beiden Fällen recherchiert.
Das heisst, ich verfüge mittlerweile über sehr viel Literatur zum Thema, einerseits in Buchform, andererseits in Form zahlreicher Internetquellen.
Es handelt sich um eine persönliche Auswahl an Quellen und eine daraus abgeleitete, eben solche persönliche Zusammenfassung.
Es geht mir dabei ausdrücklich NICHT um Objektivität.
Wenn Sie mir auch unter diesen Voraussetzungen weiterhin folgen möchten:

Sie sind herzlich dazu eingeladen und willkommen.

Meine nächsten Artikel werde ich also der Frage widmen:

Wie können wir durch Zerstörung unserer Komfortzone / Egos  an unser SELBST und eine uns völlig unbekannte Freiheit gelangen?

Re-Programmierung oder Demontage?

Erkenne dich selbst! Und: Werde, der du bist!

Das sind die beiden Botschaften.

Der Aufsetzpunkt aus meinem letzten Artikel ist:
– Ich bin die Summe all meiner rollenspezifischen Egos,
– Diese machen mich auch als Persönlichkeit aus,
– Ich BIN aber nicht dieses Ich,
– sondern: was mich wirklich einzigartig macht, ist reines Bewusstsein:
– ist mein SELBST.
Mein ICH und mein SELBST sind also zwei grundsätzlich verschiedene Dinge.

Mein SELBST ist schon kurz nach meiner Geburt, und ab da kontinuierlich im Rahmen meiner Sozialisation, durch diverse Egos verdeckt oder „zugeschüttet“ worden.
Somit kennt es niemand. Ich nicht und auch sonst niemand.
Es steckt in dem uns nicht (so einfach) zugänglichen 4.Quadranten des Johari-Fensters.

Stellt sich jetzt zumindest die Frage:

Brauche ich das denn überhaupt?
Was habe ich davon, wenn ich mein eigenes SELBST versuche, kennenzulernen?
Im heutigen Sprachgebrauch setze ich noch nach: Was ist der ROI, der Return on Invest?
Wie sieht die Kosten-Nutzen-Analyse aus?

Ein mehr akademischer Grund kann sein, dass wir der Frage nachgehen:

Was ist denn die Geschichte der beiden alten Appelle „Erkenne dich selbst“ und „Werde, der du bist“.
Dazu kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen: Eine hochinteressante und spannende Frage, deren Antworten uns in die Geschichte der Magie führen.
Ein vielleicht wichtigerer Grund aber kann daraus resultieren, wenn wir uns erinnern, dass wir ALLE uns im Laufe unserer Entwicklung mit unseren Glaubenssätzen einen Käfig aufgebaut haben, der uns zwar einerseits vor unliebsamen und (seelisch) schmerzenden Erfahrungen schützt, und den wir überall mit hinnehmen, der uns aber auch umgekehrt daran hindert, freier zu sein. Nämlich ohne diesen Käfig zu leben.

 

Zwei Handlungsoptionen bieten sich an.
Sie erinnern mich ein bisschen an die Zeit, als in den Unternehmen „Prozessmanagement“ als das allein-seligmachende Hilfsmittel hochgehalten wurde. Es wurden zwei wesentliche Ansätze diskutiert: Das aus Japan stammende Kaizen, also das „Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung“ und die von den beiden Amerikanern Hammer und Champy vertretene Theorie des „radikalen Umsturzes“: Alles zerschlagen und das Unternehmen wieder neu und (natürlich) besser wieder aufbauen.

 

So ähnlich sind die beiden Handlungsoptionen, wenn wir unser SELBST kennenlernen wollen.

Wir steigen ein in den sicherlich lange dauernden Kaizen-Prozess: Finden unsere Glaubenssätze heraus, stellen sie auf den Prüfstand, entfernen vielleicht einige und ersetzen ein paar durch neuere, die jetzt mehr Gültigkeit besitzen als unsere alten Glaubenssätze. Ich könnte auch sagen, dieses Vorgehen käme einer kontinuierlichen Re-Programmierung gleich.
Bildlich gesprochen gelangen wir aus unserem 4m²-Käfig in ein 4000m² Freiluftgehege, dessen Umzäunung wir aufgrund der Größe gar nicht mehr wahrnehmen würden.
Aber machen wir uns nichts vor: Käfig bleibt Käfig.
Die andere Handlungsoption ist der „radikale Umsturz“: Wir zerstören unseren Käfig ein für alle Mal. Und sind frei.

 

In dem einen Fall behalten wir die Kontrolle und bleiben letztlich unfrei – das Gefängnis ist nur gründlich renoviert.

In dem andern Fall geben wir bewusst die Kontrolle ab und erringen eine Freiheit, die wir nie kennengelernt haben.

Ja. Ich weiß.

 

Wie geht das: bewusst die Kontrolle abzugeben?
Und wissen andere über diese Freiheit zu berichten?

 

Um diese Fragen geht’s als nächstes.